Es war einmal ein Mann, der war ein Kämpfer. Er kämpfte für sich und für die Aufgaben, die ihm gestellt wurden. Er bewältigte viele Herausforderungen und wurde mit jedem Schritt stärker. Doch mit seiner Stärke wuchsen auch die Aufgaben. Manchmal stieß er an seine Grenzen, doch er meisterte die Prüfungen. Manchmal waren die Herausforderungen so schwer, dass er über seine Kräfte hinausging. Dann war er voller Verletzungen und wütete umso mehr.
Doch es gab eine Frau an seiner Seite – seine Frau. Sie heilte ihn, wenn er mit seinen Wunden zurückkehrte. Sie pflegte ihn. Sie besänftigte ihn. Doch es kam vor, dass der Mann in seinem Wüten um sich schlug und dabei die Frau verletzte. Oft nahm er diese Verletzungen gar nicht wahr, weil er so sehr in seiner kämpferischen Energie gefangen war. Die Frau jedoch war stark, und ihre Kräfte waren so weit fortgeschritten, dass sie sich immer wieder selbst heilen konnte. Oft verheilten ihre Wunden schnell, manchmal half ihr dabei die Zeit. Doch es kam auch vor, dass Narben zurückblieben.
Eines Tages, es war im Frühling, gebar die Frau einen Sohn. Dieser Sohn schenkte dem Mann die Liebe zur Verletzlichkeit. Die Frau gebar einen zweiten Sohn – er schenkte ihm die Liebe zum Großmut. Und eines Frühjahrs gebar sie eine Tochter, die ihm die Liebe zur Sanftmütigkeit schenkte. Doch der Kampf blieb ein Teil von ihm. Er begann zu erkennen, dass er nicht nur sich selbst verletzte, sondern auch seine Frau und seine Kinder.
II · Der RufEtwas begann ihn zu rufen. Der Ruf war die ganze Zeit da gewesen, doch erst jetzt konnte er ihn hören – leise und vage, aber unüberhörbar. Um ihm nachzugehen, erkannte er, dass er auf eine Reise gehen musste. Er verabschiedete sich von seiner Familie und machte sich auf den Weg. Er durchstreifte ferne Gebiete, bis er an einen besonderen Ort kam. Dort verweilte er und begann zu suchen.
Nach vier Tagen erkannte er, dass die Reise ihn in sein Innerstes führte. Um weiterzukommen, legte er Altes ab. Und in dieser Schwere erkannte er, dass er nicht mehr kämpfen musste. Sein wahres Inneres, so spürte er, lag auf einem Berg. Der Pfad dorthin war beschwerlich; seine kämpferische Kraft verließ ihn langsam. Doch der Ruf war zu stark. Schließlich gelangte er auf den Berg. Dort stand eine Burg – verlassen, verschlossen, teilweise eingestürzt. Er fand eine kleine Lücke und zwängte sich hindurch.
Er erkannte, dass dies sein Innerstes war. Er hatte es vergessen. Ihm wurde klar, dass er in all den Jahren des Kämpfens nie heimgekehrt war.
III · Die HeimkehrEr begann, alles zu untersuchen, und erkannte, dass er sein Innerstes heilen konnte. Stein für Stein baute er seine Burg wieder auf – und während er es tat, erkannte er sich selbst. Er war nun kein Kämpfer mehr. Er war zu einem König geworden. Er durfte sein kämpferisches Wams ablegen und sein königliches Gewand überziehen. Er nahm seine Verletzlichkeit, seinen Großmut und seine Sanftmütigkeit an – und wurde durch die Annahme seiner Schwächen stärker.
Er erkannte, dass eine Königin einen König braucht. Er rief sie – und sie begegneten sich. Er schenkte ihr die für sie bestimmte Krone, und auch seinen Kindern vermachte er Kronen. Der König war heimgekehrt. Und er tanzte voller Glück mit seiner Frau und seinen Kindern. Der Schatz war nun freigelegt.